C. 3. Subkulturelle Aufstiegsbedingungen

Wenn man die Bedingungen betrachtet, die den Aufstieg von Madonna zur Kultfigur ermöglichten, wird deutlich, dass auch in ihrem Fall der idealtypische Prozess der Vermarktung eines subkulturellen Stils ihren Erfolg ermöglichte. Sie war 1983 noch ein weißes Underground-Mädchen aus der New Yorker Downtown-Disco-Szene mit ihrer Ansammlung von Tagesberühmtheiten, das ungewöhnlicherweise über schwarze Musik und durch die Unterstützung von Diskjockeys einen Clubhit landete. Es war der Sound der im Dunkeln blühenden Dance-Kultur, ein im Underground verwurzelter Sound, der in eine Massenpopmusik umgeschmiedet wurde. Dass Madonna aus einer Szene stammt, die das Nichts bombastisch inszenierte, die nicht subkultureller Ausdruck des materiellen Elends der gesellschaftlichen Lage und aktuellen Situation war, sondern die kommerzielle Vermarktung dieses Elends, das Festhalten am als Schein erkannten Schein, das sich über das äußere Erscheinungsbild als Tanz auf dem Vulkan definierte, verbunden mit Sarkasmus, Ironie, Parodie, Eklektizismus und Zitierkunst, die sich als echte Arbeit am Unechten darstellte und dies die Hauptelemente der Postmoderne wurden, als bestimmender Zug der Kulturentwicklung, auch der Massenkultur, hängt direkt mit ihrem Erfolg zusammen. Auch Madonna war zu Beginn eine Underground-Figur aus der Mitte der inszenierten Scheinwelt einer Discokultur, die zu einer Omnipotenz des grandiosen Selbst als Selbstinszenierung einlud (vgl. Hermansen 1990, S. 166).

Das Madonna-Phänomen war eine Antwort auf spezifische historische Umstände, wobei die Medien als selektive Vermittler zur Umformung des Phänomens beitrugen, um es in einen Markt für sekundäre Subkultur inkorporieren zu können. Infolge des Vermarktungsprozesses erfolgten auch hier die Ansätze zu einer "Verflachung" des Phänomens zu einer bloßen Modevariation.

An diesem Punkt schaffte es Madonna allerdings ihre eigenen Ansichten zum Startum in die Waagschale zu werfen und sich so ein Image zu schaffen, das dauerhafte Funktionen zur Befriedigung der Fans beinhaltete. Sie machte sich ein sich als subversiv verstehendes Arbeiten mit der Kulturindustrie zur Methode, indem sie seit "Like a Virgin" selbstreferentiell versucht, auf die Entstehung ihrer eigenen Mythologie Einfluss zu nehmen und im Konstitutionsprozess ihrer eigenen Werke und Darstellungen die für die massenmediale Bearbeitung charakteristische sekundäre Umformung und die Reaktionen der Öffentlichkeit vorwegnehmend berücksichtigt. Sie genießt dabei die Zurschaustellung von offen als falsch kenntlich gemachten Verhältnissen. Wichtig sind so immer nur ihre eigene Arbeit als Medienereignis, ihre kleinen Skandalsteigerungen als Anspielungen auf die Entstehung ihrer Mythologie, einem als inszeniert sichtbar gemachten vulgärpsychologischen Knoten (vgl. Diedrichsen 1993, S. 17).